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Ein Interview mit Siegfried Matthus unter der Überschrift "Ein herausragendes Musikereignis in Bukarest"

Siegfried Matthus zu seinem aktuellen Chorstück "Sing, o Nachtigall"

Richard Wagner und seine komponierten Regieanweisungen

Der schwer zu beschreibende Vorgang und das große Geheimnis beim Komponierenvon Opern ist: wie schreibt man eine Musik, die Theater provoziert. Natürlich kann man das bei gründlichen Analysen der Opern von Mozart, Weber, Strauss, Berg undanderen annähernd erkennen und erfahren. Jedoch keiner dieser Meister hat sichverbal dazu geäußert.
Anders bei Richard Wagner. In seinen Opern finden wir viele (vielleicht zu viele)Regieanweisungen. Aber nun kommt das Interessante: er hat sie alle musiktheatralisch deutbar komponiert. Wenn man nun die Betrachtung umkehrt, dann haben wir in diesen Szenen verbale Äußerungen eines Komponisten zu seinertheatralisch konzipierten Musik.

Lassen Sie mich dies an einem Beispiel demonstrieren: Im Finale Nr. 6 des„Fliegenden Holländers“ in der Szene der ersten Begegnung zwischen Senta und dem Holländer.

Wagners Bemerkung: Der Holländer ist sogleich eingetreten; Sentas Blick streift vondem Bilde auf ihn, - sie stößt einen gewaltigen Schrei der Überraschung aus (großerTuttiakkord) und bleibt wie festgebannt am Platze ohne ihr Auge vom Holländerabzuwenden. Daland bleibt unter der Tür stehen und scheint zu erwarten, dass ihmSenta entgegenkommt.

Nach dem Tuttiakkord eine lange Fermate. Dazu Wagners Bemerkung: Der Holländer bleibt während der langen Dauer der Fermate regungslos unter der Türe stehen.
Im nächsten Takt spielt die Pauke einen einfachen Rhythmus. Dazu Wagner: Erschreitet langsam, die Augen auf Senta geheftet, nach dem Vordergrund und hält mit dem Akzent der Bässe (diese sind im 8. Takt zu hören) an.

Und jetzt spielen die Streicher ein zweitaktiges eng chromatisch in Terzen geführtesund im Tempo mit accelerando bezeichnetes Motiv. Dazu Wagner: Gebärde Dalands, der an der Türe noch verwunderungsvoll auf Sentas Begrüßung harrt, und diese mit einer Bewegung der geöffneten Arme, gleichsam ungeduldig, dazu auffordert.

Jetzt eine Wiederholung des Paukenmotivs. Dazu Wagner: Der Holländer schreitetvollends bis in den äußersten Vordergrund zur Seite vor, wo er nun während desFolgenden regungslos stehen bleibt, sein Auge unverwandt auf Senta gerichtet.

Wiederholung des zweitaktigen Terzmotivs. Wagner: Gesteigerte Wiederholung vonDalands Gebärde.

Von Bläsern und Streichern im Piano gespielter Akkord. Wagner: Daland lässt von der Aufforderung ab und schüttelt verwundert den Kopf.Ein punktierter Achtel- Sechzehntelrhythmus in den Violincelli und Kontrabässen.
Dazu Wagner: Er geht nun selbst auf Senta zu – und singt: „Mein Kind, Du siehst mich auf der Schwelle......“

In dieser kurzen Szene, die mit einfachen musikalischen Mitteln gestaltet ist, könnenwir die theatralischen Vorstellungen und kompositorisch festgelegten Vorgänge einesKomponisten wunderbar nachlesen und nachempfinden